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Lehrermangel bis 2035: KMK prognostiziert anhaltende Unterdeckung
Der Lehrermangel an deutschen Schulen wird nach einer aktuellen Modellrechnung der Kultusministerkonferenz (KMK) bis mindestens 2035 anhalten. Wie aus der Dokumentation „Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2025 bis 2035“ hervorgeht, stehen einem Einstellungsbedarf von rund 356.000 Lehrkräften in diesem Zeitraum lediglich etwa 329.000 Neuabsolvierende des Vorbereitungsdienstes gegenüber. Die kumulierte Differenz beläuft sich demnach auf 27.000 Personen.
Die KMK betont, dass sich die Situation je nach Lehramtstyp und Schulart deutlich unterscheidet. Kurzfristig, in den Jahren 2025 bis 2027, ist deutschlandweit eine akute Unterdeckung zu erwarten: Nur rund 23.400 Neuabsolvierende stehen einem Bedarf von 26.400 Personen gegenüber. Die Länder müssten daher kurzfristig MaÃnahmen ergreifen, um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen.
Sekundarstufe I besonders betroffen
Die gröÃte Lücke zeigt sich bei den Lehrämtern für alle oder einzelne Schularten des Sekundarbereichs I. Hier stehen einem Einstellungsbedarf von 75.200 Lehrkräften im Zeitraum 2025 bis 2035 lediglich 44.600 Neuabsolvierende gegenüber. Rechnerisch fehlen zur Deckung des Einstellungsbedarfs bis 2035 bundesweit 30.600 Lehrkräfte. Auch langfristig zeichnet sich hier keine Entspannung ab: Im Zeitraum 2031 bis 2035 stehen einem Bedarf von 26.600 Personen nur 19.100 Neuabsolvierende gegenüber.
Die KMK weist darauf hin, dass die Berufsaussichten für heutige Studierende dieses Lehramtstyps als sehr gut angesehen werden können. Allerdings könne nicht allen Interessierten in der jeweiligen Wunschregion eine Stelle angeboten werden.
Grundschule und Gymnasium: Entspannung absehbar
Bei den Lehrämtern der Grundschule und des Primarbereichs entspannt sich die Lage dagegen deutlich. Insgesamt werden für die Jahre 2025 bis 2035 89.800 Neuabsolvierende prognostiziert, die sich um eine unbefristete Einstellung bemühen. Dem steht ein Einstellungsbedarf von 70.300 Lehrkräften gegenüber. Ab 2031 wird sogar ein Ãberangebot erwartet, sodass langfristig die Zahl der Berufsanfänger eher abnehmen sollte.
Ãhnlich verhält es sich bei den Lehrämtern der Sekundarstufe II (allgemeinbildende Fächer) oder für das Gymnasium. Hier kommt es im Zeitraum 2031 bis 2035 zu einer Ãberdeckung: 52.800 Neuabsolvierende stehen einem Bedarf von 44.100 Personen gegenüber. Allerdings gibt es in einzelnen Ländern aufgrund der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium noch Nachholbedarfe.
Im Bereich der beruflichen Schulen zeigt sich eine besonders kritische Situation. Die Lehrämter für den Sekundarbereich II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen weisen den gröÃten prozentualen Mangel auf. Im Zeitraum 2025 bis 2035 stehen einem Einstellungsbedarf von 50.500 Lehrkräften lediglich 26.500 Neuabsolvierende gegenüber. Das bedeutet, dass in keinem Prognosejahr der Einstellungsbedarf gedeckt werden kann.
MaÃnahmen und Fachkräfteengpassanalyse
Die KMK hat bereits im Oktober 2022 einen Bericht zur Umsetzung der „Gemeinsamen Leitlinien zur Deckung des Lehrkräftebedarfs“ vorgelegt. Im März 2024 beschloss die Kultusministerkonferenz zudem „MaÃnahmen zur Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte und zur strukturellen Ergänzung der Lehrkräftebildung“, mit denen eine Flexibilisierung der Qualifizierungswege ermöglicht werden soll. Dazu gehören Quereinstiegs-Masterstudiengänge und duale Studiengänge.
Die Bundesagentur für Arbeit führt in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 2025 zahlreiche pädagogische Berufe als Engpassberufe. Dazu gehören nicht nur Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, sondern auch Erzieher und Erzieherinnen sowie Sozialpädagogen. Die Analyse zeigt, dass der Fachkräftemangel im Bildungsbereich nicht auf das Lehramt beschränkt ist.
Ein wesentlicher Grund für die Entspannung bei einigen Lehramtstypen ist die sinkende Zahl der Geburten, die einen maÃgeblichen Einfluss auf die vorausberechnete Entwicklung der Schülerzahlen hat. Dennoch bleibt der Lehrkräftemangel insbesondere in den genannten Engpassbereichen eine Herausforderung für die Bildungspolitik.
Die Bundesagentur für Arbeit und die KMK weisen übereinstimmend darauf hin, dass die Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigern ein wichtiger Baustein zur Deckung des Bedarfs ist. Bereits jetzt werden in einigen Ländern gezielte Programme zur Gewinnung von Fachkräften aus anderen Berufsfeldern für den Schuldienst angeboten. Langfristig bleibt jedoch die Erhöhung der Studienanfängerzahlen im Lehramt und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen entscheidend, um den Lehrberuf attraktiver zu gestalten.
Die parallel veröffentlichte KMK-Statistik „Einstellung von Lehrkräften 2025“ (Dokumentation Nr. 250) untermauert die Prognose mit aktuellen Zahlen: 2025 beendeten rund 26.700 Personen den Vorbereitungsdienst, etwa 500 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig gab es bundesweit rund 31.600 Einstellungen in den öffentlichen Schuldienst, gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um etwa 900. Mit 23,3 Prozent entfiel der größte Anteil der Neueinstellungen auf die Lehrämter der Grundschule beziehungsweise des Primarbereichs, während die Lehrämter für die beruflichen Schulen mit 6,1 Prozent den niedrigsten Anteil im Betrachtungszeitraum erreichten.
Regional fallen die Unterschiede erheblich aus. Die KMK weist darauf hin, dass die künftige Entwicklung des Lehrkräftebedarfs und -angebots je nach Fach und Lehramt von Land zu Land sehr unterschiedlich sein kann. Bei der Unterdeckung im Sekundarbereich I verweist die Modellrechnung auf Sondersituationen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, die mit der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium zusammenhängen.
Für die Weiterbildungsbranche haben die Prognosen ebenfalls Folgen: Die KMK nennt die gezielte Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigern ausdrücklich als Mittel, die Bedarfslücke insbesondere bei den Lehrämtern für berufliche Schulen teilweise zu schließen. Entsprechende Qualifizierungsprogramme dürften damit in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.
Die KMK kündigt an, die Modellrechnung zum Lehrkräfteeinstellungsbedarf auch künftig jährlich zu aktualisieren. Die nächste Ausgabe soll auf der neuen Vorausberechnung der Schülerzahlen aufbauen, die ebenfalls in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben wird. Bildungsforscher verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass die Prognosen auf Status-quo-Modellen beruhen und von gleichbleibenden Rahmenbedingungen ausgehen. Änderungen etwa bei den Studienanfängerzahlen, der Verweildauer im Schuldienst oder den Pensionierungswellen können die tatsächliche Entwicklung in beide Richtungen beeinflussen.
Quellen:



