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Berufsorientierung 2026: Viele Angebote, wenig Durchblick für Jugendliche
Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland fühlt sich beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium nicht ausreichend informiert. Das zeigt die repräsentative Jugendbefragung „Ausbildungsperspektiven 2025“ der Bertelsmann Stiftung, für die zwischen März und April 2025 insgesamt 1.755 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren befragt wurden. Demnach gibt nur etwa ein Drittel der Befragten an, mit den verfügbaren Informationen zur Berufsorientierung wirklich zufrieden zu sein. Über die Hälfte, 51 Prozent, bemängelt, dass es zwar ausreichend Informationen gebe, man sich darin aber nicht zurechtfinde. Weitere zwölf Prozent sehen einen generellen Mangel an Informationen.
Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen hoch ist. Wie die Bertelsmann Stiftung unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtet, lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und der als ausbildungsplatzsuchend gemeldeten Personen 2024 zusammen bei 517.900 und stieg damit das zweite Jahr in Folge. Gleichzeitig sank das Ausbildungsangebot um 1,2 Prozent auf 556.100 Stellen; die Zahl neu abgeschlossener Verträge lag zum 30. September 2024 bei 486.700.
Praktikum bleibt das wichtigste Orientierungsformat
Gefragt nach den hilfreichsten Formaten der Berufsorientierung nennen die Befragten laut der Bertelsmann-Studie mit Abstand am häufigsten das Praktikum. An zweiter Stelle folgen Betriebsbesichtigungen und die persönliche Beratung, etwa durch Lehrkräfte oder professionelle Übergangsberaterinnen und -berater. Bei der konkreten Suche nach einer Ausbildungsstelle greift die überwiegende Mehrheit von 80 Prozent auf Online-Stellenausschreibungen zurück. Die Vermittlungsangebote der Bundesagentur für Arbeit nutzen oder würden vor allem junge Menschen mit niedriger Schulbildung nutzen – in dieser Gruppe sind es laut Studie nahezu zwei Drittel.
Dass die Berufsberatung der BA bei denjenigen, die sie in Anspruch nehmen, durchaus positiv ankommt, zeigt eine weitere Untersuchung. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im Rahmen seiner Studie „BeYou – Berufswahl und Du“ Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen befragt, die die Berufsberatung der BA genutzt hatten. Auf einer Skala von 0 bis 10 bewerteten die Befragten die Beratung im Schnitt mit 7,6; 58 Prozent vergaben einen Wert von 7 oder höher und waren damit zufrieden oder sehr zufrieden. Grundlage sind nach IAB-Angaben 5.156 Antworten aus der Ersterhebung. Die Studie begleitet seit Frühjahr 2024 rund 6.300 Jugendliche aus Abschlussklassen allgemeinbildender Schulen.
Viele Jugendliche halten sich mehrere Bildungswege offen
Ein weiteres Ergebnis der BeYou-Studie: Zwei Drittel der Jugendlichen geben an, sich relativ sicher über ihren Bildungsweg nach dem Schulabschluss zu sein. Zugleich erwägt rund ein Drittel mehr als eine Möglichkeit – etwa Ausbildung, weiterführende Schule oder Studium. Unter den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten zieht knapp die Hälfte mehrere Bildungsalternativen in Betracht, unter den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I sind es 27 Prozent.
„Viele Jugendliche setzen sich frühzeitig mit ihrer beruflichen Zukunft auseinander, halten sich zugleich aber häufig mehrere Optionen offen“, wird IAB-Forscherin Silke Anger in der Mitteilung des Instituts zitiert. Das könne Ausdruck von Offenheit, aber auch von Unsicherheit angesichts der Vielzahl möglicher Bildungswege sein. IAB-Direktor Bernd Fitzenberger warnt zugleich davor, Jugendliche außerhalb des Bewerberpools der BA aus dem Blick zu verlieren: 35 Prozent der nicht bei der BA erfassten Jugendlichen zögen eine betriebliche Ausbildung durchaus in Erwägung.
Nicht jede Gruppe erreicht das Angebot gleichermaßen
Unterschiede in der Verfügbarkeit von Berufsorientierungsangeboten dokumentiert die gemeinsame BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie, für die zwischen Mitte November 2024 und Ende Januar 2025 rund 6.000 bei der BA gemeldete Ausbildungssuchende befragt wurden. Demnach geben junge Geflüchtete seltener als Jugendliche ohne Fluchthintergrund an, dass an ihrer Schule praxisnahe Angebote verfügbar waren: Während 92,9 Prozent der Jugendlichen ohne Fluchthintergrund von einem Praktikumsangebot berichten, sind es bei den Geflüchteten 77,3 Prozent. Bei Schnuppertagen liegt der Unterschied bei 42,1 zu 64,8 Prozent.
Die Forschenden führen das unter anderem darauf zurück, dass Maßnahmen wie Praktika häufig im vorletzten Schuljahr stattfinden und erst kürzlich Zugewanderte sie daher verpasst haben könnten. Wer ein Angebot wahrgenommen hat, bewertet es laut Studie überwiegend positiv. Zugleich zeige sich ein klarer Zusammenhang: Ausbildungssuchende, die die Berufsorientierung als unterstützend erlebten, fanden häufiger einen Ausbildungs- oder Studienplatz und waren zufriedener mit dem Ergebnis. Wer sich dagegen bevormundet oder unter Druck gesetzt fühlte, war seltener erfolgreich.
Die Bertelsmann Stiftung verweist in ihrer Befragung zudem auf die Gründe, die junge Menschen gegen eine Ausbildung anführen: 48 Prozent der Befragten halten die Ausbildungsvergütung für zu gering, 41 Prozent fühlen sich über Ausbildungsberufe nicht ausreichend informiert, und 43 Prozent geben an, für die Ausbildungsplatzsuche und Bewerbung nicht hinreichend vorbereitet zu sein. Rund die Hälfte der Befragten mit Erfahrung in der Ausbildungssuche würde sich demnach mehr Berufsorientierungsangebote innerhalb der Schule wünschen – etwa durch Lehrkräfte oder Schulsozialarbeit – und ebenso viele außerhalb, etwa durch Beratende der Bundesagentur für Arbeit.
Für Schulen und Beratungsangebote ergibt sich aus den Studien ein konsistentes Bild: Das Angebot ist breit, die Passung jedoch nicht überall gegeben. Entscheidend ist nach den Befunden der beteiligten Institute weniger die Zahl der Maßnahmen als deren Erreichbarkeit, Qualität und Ausrichtung auf die jeweilige Zielgruppe.
Quellen:
- Bertelsmann Stiftung: Ausbildungsperspektiven 2025 – Repräsentative Befragung von Jugendlichen (Gütersloh, 2025)
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Studie „BeYou – Berufswahl und Du“, Ergebnisse zur Berufsberatung der BA und zu Bildungswegen (2025)
- BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie zum Ausbildungsmarkt: Ausbildungssuchende ohne Kontakt zur Arbeitsagentur und Geflüchtete sind oft im Nachteil, IAB-Kurzbericht Nr. 18 (2025)



