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Ausbildungsmarkt 2026: Weniger neue Verträge, mehr Jugendliche ohne Platz
Der deutsche Ausbildungsmarkt hat im Berichtsjahr 2025 deutlich an Substanz verloren: Die Zahl neu abgeschlossener dualer Ausbildungsverträge ist das zweite Jahr in Folge gesunken, Betriebe übernehmen seltener ihre Auszubildenden, und die Zahl junger Menschen ohne Ausbildungsplatz hat den höchsten Stand seit 2007 erreicht. Das geht aus dem Datenreport 2026 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und einer im August veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Nach den Ergebnissen der BIBB-Erhebung wurden zum Stichtag 30. September 2025 bundesweit rund 476.000 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das sind 10.300 Verträge weniger als im Vorjahr, ein Rückgang um 2,1 Prozent. Nach dem coronabedingten Einbruch im Jahr 2020 hat sich die zwischen 2021 und 2023 zu beobachtende positive Entwicklung der Vertragszahlen damit auch im zweiten Jahr in Folge nicht fortgesetzt.
Weniger Verträge, mehr unversorgte Bewerberinnen und Bewerber
Zugenommen hat der BIBB-Erhebung zufolge die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber, die zum Stichtag noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle waren. Die Zahl der unversorgten Bewerber, die weder in eine Ausbildung noch in eine Alternative eingemündet sind, stieg um 8.700 auf 39.900 – ein Plus von 28,0 Prozent und nach Angaben des Instituts ein neuer Höchststand seit 2007.
Weitere 44.500 junge Menschen hatten zum Stichtag zwar eine Alternative gefunden, wollten aber weiter in eine Ausbildung vermittelt werden; ihre Zahl lag um 5.300 beziehungsweise 13,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. In der Summe waren demnach noch 84.400 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz – ein Anstieg um 14.000 oder 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Anteil junger Erwachsener ohne Berufsabschluss liegt dem Datenreport zufolge trotz leichter Rückgänge weiter auf hohem Niveau. BIBB-Berechnungen auf Basis des Mikrozensus weisen für das Jahr 2024 einen Anteil von 18,8 Prozent unter den 20- bis 34-Jährigen aus (2023: 19,0 Prozent). Hochgerechnet betraf das 2,76 Millionen nicht formal qualifizierte junge Erwachsene.
Betriebe halten sich bei Ausbildung und Übernahme zurück
Die Paralleluntersuchung des IAB, die auf dem IAB-Betriebspanel beruht – einer repräsentativen jährlichen Befragung von rund 15.000 Betrieben aller Größen und Branchen –, zeichnet das Bild von der Angebotsseite. Demnach sank die Übernahmequote von Auszubildenden im Jahr 2025 auf 75 Prozent, nachdem sie 2024 mit 79 Prozent ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze ging auf 30 Prozent zurück und lag damit fünf Prozentpunkte unter den beiden Vorjahren, bewegt sich nach Einschätzung der Forschenden aber weiterhin auf hohem Niveau. Zugleich ist das betriebliche Ausbildungsplatzangebot geschrumpft.
Nach den IAB-Zahlen bildeten 2025 noch 55 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe aus – bezogen auf alle Betriebe waren es 29 Prozent. Die besten Übernahmechancen hatten Auszubildende demnach im Bergbau, in der Energie- und Wasserversorgung sowie im Abfallbereich, im Finanz- und Versicherungswesen und in der öffentlichen Verwaltung: Dort wurden rund 90 Prozent weiterbeschäftigt. In der Land- und Forstwirtschaft lag die Übernahmequote dagegen nur bei 44 Prozent, bei personenbezogenen Dienstleistungen bei 52 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe wurden 77 Prozent der Auszubildenden übernommen – fünf Prozentpunkte weniger als 2024; die Nichtbesetzungsquote blieb dort mit 29 Prozent hoch. Die mit Abstand höchste Nichtbesetzungsquote wies das Baugewerbe mit 49 Prozent auf.
IAB-Forscherin Ute Leber führt die Entwicklung auf die wirtschaftliche Lage zurück: „Ungünstige oder unsichere Geschäftserwartungen führen zu etwas größerer Zurückhaltung bei der Übernahme der Auszubildenden oder dem Abschluss neuer Ausbildungsverträge. Das ist insbesondere für das verarbeitende Gewerbe zu beobachten.“
Ihre Kollegin Barbara Schwengler beschreibt die Lage als paradox: „Trotz einer steigenden Zahl an Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz ist damit zu rechnen, dass die Nichtbesetzungsquote von Ausbildungsstellen weiter hoch bleiben wird.“ Die Untersuchung warnt zudem vor einer weiteren Verschlechterung: Da sich die Wirtschaftsaussichten zuletzt erneut eingetrübt hätten, könne das Ausbildungsinteresse der Betriebe im kommenden Jahr weiter zurückgehen – die Zahl der Neuverträge könnte dann dem IAB zufolge sogar unter den Tiefststand von 2020 fallen.
Forderungen nach besserer Passung und resilienter Berufsbildung
IAB-Direktor Bernd Fitzenberger zieht aus den Daten eine praktische Konsequenz: „Um einen weiteren Einbruch am Ausbildungsmarkt zu vermeiden, müssten Jugendliche und Betriebe besser zusammengebracht werden.“ Es ist eine Diagnose, die beide Studien teilen: Auf der einen Seite wachsende Zahl junger Menschen ohne Ausbildungsvertrag, auf der anderen Seite weiterhin rund drei unbesetzte Stellen von zehn.
BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser fordert strukturelle Antworten. „Nicht statisches Beharren auf bisher Bewährtem, sondern die Bereitschaft zur Veränderung“ müsse Leitprinzip des Berufsbildungssystems werden, erklärte er zur Veröffentlichung des Datenreports. Als konkrete Maßnahmen nennt das Institut unter anderem modular anschlussfähige Qualifizierungsstrukturen und bessere Übergänge, geförderte Teilqualifikationen auch für junge Menschen unter 25 Jahren, eine stärkere Verzahnung von Aus- und Weiterbildung, die Aufwertung der höheren Berufsbildung sowie die systematische Förderung von Schlüsselqualifikationen.
Der Datenreport ergänzt den Berufsbildungsbericht 2026 der Bundesregierung, der im Mai vom Bundeskabinett verabschiedet und vom zuständigen Bundesministerium veröffentlicht wurde. Das Schwerpunktkapitel des diesjährigen Datenreports widmet sich dem Thema künstliche Intelligenz in der Berufsbildung – von der Berufsorientierung über die Ausbildung selbst bis zur KI-Nutzung in der Erwerbstätigkeit und ihren Auswirkungen auf die berufliche Weiterbildung.
Für Unternehmen, Ausbilderinnen und Berufsberatungen bedeutet der aktuelle Datenstand vor allem eines: Der Engpass liegt weniger in der Zahl der Stellen als in der Passung. Wie Betriebe und Bewerber trotz schwieriger Konjunktur zusammenfinden, dürfte nach Einschätzung der Forschenden über die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im kommenden Jahr entscheiden.
Quellen
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Presseinformation „Ausbildungsstellenangebot und Übernahmen schrumpfen, weiter viele unbesetzte Stellen“ (06.08.2026)
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Pressemitteilung zum BIBB-Datenreport 2026 (06.05.2026)
- Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Berufsbildungsbericht 2026



