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Weiterbildungsquote 2026: Hohes Niveau, aber Betriebe ziehen sich zurück
Die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland ist auf einem hohen Niveau stabil, bleibt aber deutlich hinter den selbstgesteckten Zielen zurück. Das geht aus dem Nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ hervor, den die unabhängige Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung im Juni vorgelegt hat. Demnach nahmen 2022 rund 54 Prozent der 25- bis unter 65-Jährigen an formaler oder non-formaler Weiterbildung teil – die Bundesregierung will diese Quote bis 2030 auf 65 Prozent steigern. Gleichzeitig ziehen sich viele Betriebe aus der beruflichen Weiterbildung zurück.
Grundlage der Angaben ist unter anderem der Adult Education Survey (AES), den das Statistische Bundesamt als europaweit harmonisierte Befragung zur Bildung Erwachsener durchführt. Nimmt man neben formaler und non-formaler Bildung auch informelles Lernen hinzu, berichteten laut AES 2022 insgesamt 83 Prozent der 18- bis unter 70-Jährigen von mindestens einer Lernaktivität innerhalb der letzten zwölf Monate. Der Anstieg gegenüber früheren Erhebungen geht nach Analyse der Autor:innengruppe vor allem auf informelles Lernen zurück; die Teilnahme an organisierter, non-formaler Weiterbildung stagniert dagegen.
Nach Alter differenziert zeigt der Bericht einen bisher wenig beachteten Befund: Schon im mittleren Erwerbsalter wächst der Anteil der Personen, deren letzte Weiterbildung weit zurückliegt. Bei den 45- bis unter 55-Jährigen lag die letzte Teilnahme bei 22 Prozent der Befragten mehr als fünf Jahre zurück, bei den 55- bis unter 66-Jährigen waren es bereits 34 Prozent. Ab einem Alter von 65 Jahren nimmt die Teilnahme an formalen und non-formalen Bildungsaktivitäten insgesamt deutlich ab.
Betriebe engagieren sich seltener als vor der Pandemie
Die betriebliche Weiterbildung bleibt das größte Segment des Marktes: Auf sie entfielen 2022 nach den Auswertungen des Bildungsberichts 77 Prozent aller non-formalen Weiterbildungsaktivitäten und mehr als die Hälfte aller aufgewendeten Weiterbildungsstunden. Gleichzeitig geht die Unterstützung durch die Arbeitgeber zurück. Im ersten Halbjahr 2024 unterstützten nur 44 Prozent der Betriebe die Weiterbildung ihrer Beschäftigten durch Freistellung oder Kostenübernahme – 2019 waren es noch 55 Prozent, heißt es in der Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse. Den Angaben zufolge beruhen die Betriebszahlen auf dem IAB-Betriebspanel, einer jährlichen bundesweiten Arbeitgeberbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Nach Betriebsgröße betrachtet haben vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten ihr Weiterbildungsniveau von 2019 nicht wieder erreicht. Besonders eingeschränkt ist das Angebot laut Bericht in Betrieben mit einem hohen Anteil von Beschäftigten in einfachen Tätigkeiten, die keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzen. Die Autor:innengruppe verweist damit auf eine wachsende Kluft: Ausgerechnet die Beschäftigtengruppen mit dem geringsten formalen Qualifikationsniveau erhalten demnach am seltensten Zugang zu betrieblicher Weiterbildung.
Digitale Angebote: Onlineanteil stagniert, informelles Lernen wächst
Bei den Veranstaltungsformaten zeigt der Bericht eine Änderung im Vergleich zu den Vorjahren. Während der Corona-Pandemie war der Anteil reiner Onlineveranstaltungen deutlich gestiegen; inzwischen stagniert die Teilnahme an Onlinekursen nach den aktuellen Angaben wieder. Zugleich nimmt das informelle Lernen über das Internet weiter zu: 2025 gaben 26 Prozent der 16- bis unter 75-Jährigen an, mithilfe des Internets gelernt zu haben – 2021 waren es nach den Angaben des Berichts noch 19 Prozent.
Die Nutzung digitaler Lernangebote bleibt dabei ungleich verteilt. Personen mit höheren Bildungsabschlüssen greifen den Auswertungen zufolge häufiger auf digitale Angebote zurück als Personen mit niedrigeren Abschlüssen. Die Autor:innengruppe weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Chancen der Digitalisierung für die Weiterbildung bislang nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreichen.
Ungenutzte Potenziale und Förderinstrumente
Der Bericht beschreibt zudem Zugangsbarrieren, die offenbar ungenutzte Teilnahmepotenziale blockieren. Befragte, die erst in den letzten zehn Jahren nach Deutschland zugewandert sind, berichten demnach besonders häufig, dass sie im vergangenen Jahr an einer Weiterbildung hätten teilnehmen wollen, dies aber nicht getan haben. Als Hemmnisse nennt die Autor:innengruppe unter anderem Zeit- und Kostengründe sowie mangelnde Information über passende Angebote.
Vor diesem Hintergrund erinnert der Bericht an Instrumente, mit denen die Teilnahme erleichtert werden soll. Dazu zählt der Bildungsurlaub, auf den in fast allen Bundesländern ein gesetzlicher Anspruch besteht: Er wird bisher kaum genutzt – nur rund ein Prozent der berichteten Weiterbildungsaktivitäten wird nach den Angaben im Rahmen einer landesgesetzlichen Bildungsfreistellung realisiert. Zu den finanziellen Förderwegen zählt das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (Aufstiegs-BAföG), mit dem Bund und Länder berufliche Aufstiegsfortbildungen unterstützen; eine Reform des Gesetzes wurde zuletzt mit höheren Förderleistungen beschlossen.
In der Bewertung der Autor:innengruppe ergeben sich aus den Kennzahlen Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Weiterbildungssystems. Die Beteiligungsquote liege weiterhin deutlich unter der für 2030 anvisierten Marke, während das betriebliche Engagement eingeschränkt und öffentliche Aufwendungen zuletzt nach langjährigem Aufwuchs reduziert worden seien. Der elfte Nationale Bildungsbericht erscheint im Zweijahresrhythmus; die meisten Indikatoren des aktuellen Berichts beziehen sich auf Daten bis zum Jahr 2024, einzelne unterjährige Kennzahlen – etwa zum Lernen im Internet – bereits auf 2025.
Quellen
- Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2026 – Kapitel G „Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter“, wbv Publikation, Bielefeld 2026
- Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE): Trends und Perspektiven der Weiterbildung im Nationalen Bildungsbericht 2026
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): IAB-Betriebspanel – bundesweite Arbeitgeberbefragung
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Adult Education Survey (AES) – Erhebung zur Bildungsbeteiligung Erwachsener
- Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Aufstiegs-BAföG (Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, AFBG)



