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Bildung auf einen Blick 2026: OECD bescheinigt Deutschland Fortschritte – und ein strukturelles Problem
Deutschland investiert nach Angaben der OECD weiterhin unterdurchschnittlich in Bildung, liegt aber bei den Ausgaben pro Schüler und Studierendem über dem OECD-Durchschnitt. Das geht aus dem am 29. September 2026 veröffentlichten Bericht „Bildung auf einen Blick 2026“ (Education at a Glance) hervor, dem jährlichen Indikatorenvergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Ländernotiz zu Deutschland zeichnet ein zwiespältiges Bild: Fortschritte bei der tertiären Bildungsbeteiligung junger Erwachsener stehen anhaltenden Problemen beim Lehrkräfteangebot gegenüber.
Die OECD beziffert die deutschen Bildungsausgaben für den Bereich von der Grundschule bis zur Hochschule auf 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der OECD-Durchschnitt liegt dem Bericht zufolge bei 4,7 Prozent. Der Anteil der Bildungsausgaben an den gesamten Staatsausgaben betrug 2023 in Deutschland 8,5 Prozent – der OECD-Schnitt liegt bei 9,8 Prozent. Zugleich gab Deutschland umgerechnet 16.127 US-Dollar je Schüler beziehungsweise Studierenden aus, deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt (13.601 US-Dollar). Die OECD verweist darauf, dass dies das insgesamt hohe Niveau der Staatsausgaben in Deutschland widerspiegelt: In absoluten Beträgen pro Lernendem zählt das Land damit zur oberen Gruppe, gemessen an der Wirtschaftsleistung und am Anteil am Staatshaushalt jedoch nicht.
Bildungsbeteiligung: Deutliche Zuwächse bei jungen Erwachsenen
Bei der Bildungsbeteiligung verzeichnet die OECD Fortschritte. Der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit einem tertiären Abschluss stieg in Deutschland von 30 Prozent im Jahr 2015 auf 41 Prozent im Jahr 2025. Damit nähert sich Deutschland dem OECD-Durchschnitt von 49 Prozent an, bleibt aber darunter. Über alle Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren hinweg haben 35 Prozent einen tertiären Abschluss (OECD-Schnitt: 43 Prozent), während 50 Prozent einen Abschluss der Sekundarstufe II oder der postsekundären nicht-tertiären Bildung erreicht haben – ein Wert über dem OECD-Durchschnitt von 39 Prozent, den die OECD auf das starke System der beruflichen Bildung zurückführt.
Insgesamt verfügen 86 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland mindestens über einen Abschluss der Sekundarstufe II, gegenüber 81 Prozent im OECD-Durchschnitt. Zugleich stieg der Anteil junger Erwachsener ohne Sekundarstufe-II-Abschluss leicht an: 2025 hatten 14 Prozent der 25- bis 34-Jährigen keinen solchen Abschluss, ein Prozentpunkt mehr als 2015. Der Anteil der jungen Erwachsenen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II oder der postsekundären nicht-tertiären Bildung ging im selben Zeitraum um 13 Prozentpunkte auf 45 Prozent zurück – eine Verschiebung, die den Aufwärtstrend zur Hochschulbildung und den leichten Anstieg bei den Abschlusslosen gleichermaßen zeigt.
Lehrkräfte: Jeder fünfte nicht voll qualifiziert
Das Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts ist der Lehrkräftemangel. In Deutschland hatten nach OECD-Angaben im Schuljahr 2023/24 18,6 Prozent aller Lehrkräfte an öffentlichen Grund- und weiterführenden Schulen keinen Abschluss auf Master-Niveau oder befanden sich noch in Ausbildung und galten damit als nicht voll qualifiziert. Die OECD führt den hohen Anteil auf den vergleichsweise langen Qualifizierungsweg in Deutschland – Master-Abschluss plus rund 18 Monate Vorbereitungsdienst – und die anhaltende Nutzung alternativer Einstiegswege zurück, mit denen die Länder auf den Personalmangel reagieren.
Hinzu kommen Fehlzeiten: Aus PISA-Daten geht laut Bericht hervor, dass 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland Schulen besuchen, deren Leitungen angeben, dass Lehrkräfteabsenzen das Lernen beeinträchtigen. Das ist der zweithöchste Wert in der OECD und mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt von 27 Prozent.
Bei den Gehältern bleibt Deutschland im oberen OECD-Bereich, doch die Entwicklung ist rückläufig: Inflationsbereinigt sanken die gesetzlichen Gehälter von Lehrkräften der Sekundarstufe I mit 15 Berufsjahren zwischen 2015 und 2025 um ein Prozent, während sie im OECD-Durchschnitt um sechs Prozent stiegen. Primarlehrkräfte in Deutschland verdienen dem Bericht zufolge im Schnitt 13 Prozent weniger als andere Beschäftigte mit Hochschulabschluss, Lehrkräfte der Sekundarstufe I vier Prozent weniger; erst an Gymnasien liegt das Gehalt mit einem Prozent leicht darüber.
Die Altersstruktur verschärft die Lage zusätzlich: 24 Prozent der Lehrkräfte an weiterführenden Schulen sind 55 Jahre oder älter. Zwar entspricht das dem Anteil unter anderen Beschäftigten mit Master-Abschluss, doch die OECD verweist darauf, dass wegen der demografischen Entwicklung ein erheblicher Teil der Lehrkräfte in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen wird. Zur wöchentlichen Arbeitszeit gibt die Erhebung der OECD unter Erwachsenen (PIAAC) für Deutschland 42,4 Stunden bei Lehrkräften an – ein Wert, der statistisch nicht signifikant von den 41,5 Stunden anderer Vollzeitbeschäftigter mit Hochschulabschluss abweicht.
Mehr Lehrkräfte, mehr Schüler
Zwischen 2015 und 2024 stieg die Zahl der Grundschullehrkräfte in Deutschland um 17 Prozent, die der Schülerinnen und Schüler um 15 Prozent. Im OECD-Durchschnitt wuchs die Lehrkräftezahl an Grundschulen im selben Zeitraum um 13 Prozent, die Schülerzahl nur um zwei Prozent. Die OECD erklärt die Divergenz im internationalen Vergleich mit politischen Entscheidungen zu Klassengrößen, Arbeitszeit und Unterrichtszeit. Gemessen an den Unterrichtsstunden unterrichten Grundschullehrkräfte in Deutschland 691 Stunden pro Jahr, Lehrkräfte der Sekundarstufe I 642 Stunden – der OECD-Durchschnitt liegt bei 770 beziehungsweise 710 Stunden.
Auch in der frühkindlichen Bildung sind die Ausgaben gestiegen: Die staatlichen Ausgaben pro Kind in der Vorschulbildung erhöhten sich in Deutschland zwischen 2015 und 2023 von 9.397 auf 12.719 US-Dollar (in konstanten Preisen von 2020). Der OECD-Durchschnitt stieg von 8.142 auf 10.067 US-Dollar. Deutschland liegt damit auch in diesem Bereich über dem Durchschnitt der untersuchten Länder.
Der Bericht „Bildung auf einen Blick“ erscheint jährlich und vergleicht Bildungssysteme anhand standardisierter Indikatoren zu Bildungsbeteiligung, Finanzierung, Lehrkräften und Bildungserträgen. Die Ländernotizen fassen die wichtigsten Befunde je Land zusammen; die vollständigen Daten stehen in den Tabellen des Gesamtberichts. Die Angaben beziehen sich jeweils auf das jüngste verfügbare Datenjahr, das je nach Indikator zwischen 2023 und 2025 liegt.



