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Studienabbruchquote: Was die neuen Zahlen über den Studienerfolg verraten
Rund jeder vierte Bachelorstudent in Deutschland bricht sein Studium ab. Das geht aus Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes beruhen. Die Abbrecherquote liegt demnach bei 27 Prozent im Bachelor- und 17 Prozent im Masterstudium. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Studienverlaufsstatistik des Statistischen Bundesamtes, dass nur 30 Prozent der Bacheloranfängerinnen und -anfänger des Studienjahres 2020 innerhalb von acht Semestern ihr Fachstudium erfolgreich abschlossen. Die Zahlen verdeutlichen ein strukturelles Problem im deutschen Hochschulsystem, das Hochschulen, Politik und Studierende gleichermaßen betrifft.
Abschlussquoten bleiben auf niedrigem Niveau
Die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) im Juli 2026 veröffentlichte Studienverlaufsstatistik weist für das Studienjahr 2020 eine Abschlussquote von 30 Prozent bei Bachelorstudierenden nach acht Semestern aus. Bei den insgesamt 510 400 Personen, die im Studienjahr 2020 ein Bachelorstudium an einer deutschen Hochschule aufgenommen haben, bedeutet das: Knapp jede dritte Person hat das Fachstudium innerhalb des Beobachtungszeitraums erfolgreich beendet. Bei Masterstudierenden lag die Quote nach sechs Semestern bei 51 Prozent — ebenfalls unverändert gegenüber dem Vorjahr.
Erstmals wurden auch Abschlussquoten für Staatsexamensstudiengänge berechnet. Von den 54 900 Staatsexamensanfängerinnen und -anfängern des Studienjahres 2018 erlangten 31 Prozent innerhalb von zwölf Semestern einen Abschluss. Der längere Beobachtungszeitraum berücksichtigt die längere Regelstudienzeit in diesen Studiengängen.
Auffällig ist der Geschlechterunterschied: Während bei den Bachelorstudiengängen 34 Prozent der Frauen ihr Studium in der vorgegebenen Zeit beendeten, waren es bei Männern nur 25 Prozent. Auch im Masterstudium lagen die Abschlussquoten der Frauen mit 53 Prozent über denen der Männer (48 Prozent). Bei den Staatsexamensstudiengängen ergab sich für Frauen eine Abschlussquote von 35 Prozent, bei Männern von 24 Prozent. Das Statistische Bundesamt weist darauf hin, dass individuelle Studienunterbrechungen wie Auslandssemester oder Praktika bei der Berechnung nicht extra berücksichtigt werden — der Beobachtungszeitraum bleibt gleich, auch wenn jemand das Studium unterbricht oder das Studienfach wechselt.
Fachhochschulen schneiden besser ab als Universitäten
Die DZHW-Analysen zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Hochschultypen. An Fachhochschulen sank die Abbruchquote im Bachelorstudium von 25 auf 23 Prozent der Studierenden, im Masterstudium von 19 auf 13 Prozent. An Universitäten blieb das Niveau mit 32 Prozent (Bachelor) beziehungsweise 19 Prozent (Master) hingegen stabil. Über alle Hochschulen hinweg ergibt sich daraus eine Abbrecherquote von 27 Prozent im Bachelor- und 17 Prozent im Masterstudium.
Zwischen den Fächern unterscheiden sich die Abbruchzahlen erheblich. Überdurchschnittlich häufig brechen Studierende der Mathematik und Naturwissenschaften (43 Prozent) sowie der Geisteswissenschaften (41 Prozent) ihr Bachelorstudium an Universitäten ab. Auch an Fachhochschulen liegt die Abbrecherquote in MINT-Studiengängen mit 39 Prozent überproportional hoch. Da geisteswissenschaftliche Fächer an Fachhochschulen weniger vertreten sind als an Universitäten, relativ abbrucharme Fächer wie die Wirtschaftswissenschaften jedoch häufiger, führen diese fächerbezogenen Unterschiede zu einer Abbruchdifferenz zwischen Universitäten und Fachhochschulen.
Nach Einschätzung des Projektleiters der DZHW-Studie, Dr. Ulrich Heublein, haben auch die Maßnahmen, die die Hochschulen im Rahmen des Qualitätspakts Lehre getroffen haben, zum allgemeinen Anstieg des Studienerfolgs beigetragen. In den Naturwissenschaften seien jedoch weitere Ideen gefragt, um mehr Studierende zu einem Abschluss zu führen.
Überforderung und Finanzierung sind die Hauptgründe
Die Ursachen für einen Studienabbruch sind vielschichtig. Eine repräsentative Studie der HIS Hochschul-Informations-System GmbH (heute Teil des DZHW) unter 2 500 Studienabbrechern an 54 Universitäten und 33 Fachhochschulen ergab, dass 31 Prozent aus Gründen der Überforderung scheitern — darunter 20 Prozent mit Leistungsproblemen und 11 Prozent wegen nicht bestandener Prüfungen. Das ist ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Studienjahr 2000.
Probleme der Studienfinanzierung führten für 19 Prozent der Befragten zum Studienabbruch. Dahinter verbergen sich neben finanziellen Schwierigkeiten zunehmende Probleme, eine zur Finanzierung des Lebensunterhalts notwendige Erwerbstätigkeit und das Studium miteinander zu verbinden. Von ähnlich großer Bedeutung (18 Prozent) ist das vorzeitige Beenden des Studiums aufgrund mangelnder Studienmotivation. Diese Studierenden haben sich mit falschen Erwartungen an die fachlichen Inhalte und die Bedingungen und Anforderungen des Studiums immatrikuliert. Die genannten drei Motive geben den Ausschlag für mehr als zwei Drittel aller Studienabbrüche.
Vermehrt kommt es auch zum Studienabbruch aufgrund unzureichender Studienbedingungen (12 Prozent gegenüber 8 Prozent im Jahr 2000). Abnehmende Bedeutung haben der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung (10 Prozent), familiäre Probleme (7 Prozent) und Krankheit (4 Prozent) als Gründe für den Studienabbruch.
Besonders in Bachelor-Studiengängen erfolgt der Abbruch deutlich früher als in traditionellen Studiengängen. Während Studienabbrecher in Diplom- oder Magisterstudiengängen nach durchschnittlich 7,3 Fachsemestern die Hochschule verließen, geschieht dies in Bachelor-Studiengängen bereits nach 2,3 Fachsemestern. Projektleiter Dr. Ulrich Heublein kommentierte die Ergebnisse mit den Worten, im Bachelorstudium scheiterten offensichtlich mehr Studierende schon beim Studieneinstieg, denen es in den bisherigen Studiengängen gelungen sei, nach einer längeren Einstiegsphase noch Fuß zu fassen und erfolgreich einen ersten Hochschulabschluss zu erwerben.
Betrachtet man nur die Studienabbrecher in den Bachelor-Studiengängen, kommt es überdurchschnittlich häufig zum Studienabbruch aufgrund von ungenügenden Studienleistungen. Auch die Motive einer mangelnden Studienmotivation und unzureichender Studienbedingungen haben im Bachelorstudium an Bedeutung gewonnen. Deutlich weniger Studienabbrecher als in den traditionellen Studiengängen verlassen die Hochschule hingegen aus finanziellen Gründen.
Die Datenlage verdeutlicht: Der Studienabbruch ist kein Randphänomen, sondern betrifft jeden vierten Bachelorstudenten. Die frühe Phase des Studiums gilt als kritisch. Wer die ersten Semester erfolgreich bewältigt, hat eine deutlich höhere Chance auf einen Abschluss. Für Hochschulen und Bildungspolitik bleibt die Senkung der Abbruchquoten eine zentrale Aufgabe — insbesondere in den MINT-Fächern, wo der Fachkräftemangel ohnehin spürbar ist.
Quellen:



