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Kita-Statistik 2025: Weniger Kinder, mehr Personal – und ein strukturelles Problem bleibt
Die Zahl der Kinder in Kindertagesbetreuung ist erstmals seit Beginn der Erhebung zurückgegangen. Gleichzeitig arbeiten so viele Menschen in Kitas wie nie zuvor. Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen ein Bild, das auf den ersten Blick paradox wirkt – und bei genauerem Hinsehen erklärt, warum der Fachkräftemangel in der frühkindlichen Bildung trotzdem nicht gelöst ist.
Am Stichtag 1. März 2025 waren bundesweit 4.059.400 Kinder in Kindertagesbetreuung – 33.800 oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner Pressemitteilung Nr. 392 vom 31. Oktober 2025 mitteilt. Es ist der erste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2006; zuvor war die Zahl kontinuierlich um durchschnittlich 60.500 Kinder pro Jahr gestiegen. Bei den unter Dreijährigen sank die Zahl der betreuten Kinder im zweiten Jahr in Folge: um rund 47.100 oder 5,6 Prozent auf 801.300.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen weiter an: um 17.500 oder 2,2 Prozent auf 795.700 Personen im pädagogischen, Leitungs- und Verwaltungsbereich. Auch die Zahl der Kitas wuchs um etwa 400 auf rund 61.000 Einrichtungen.
Geburtenrückgang als wesentliche Ursache
Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen stieg trotz sinkender Betreuungszahlen leicht auf 37,8 Prozent (Vorjahr: 37,4 Prozent). Nach Angaben von Destatis ist dieser scheinbare Widerspruch darauf zurückzuführen, dass die Gesamtzahl der Kinder unter drei Jahren stärker zurückging als die Zahl der betreuten Kinder – eine Folge der sinkenden Geburtenzahlen der vergangenen drei Jahre.
Regionale Unterschiede bleiben deutlich: In den östlichen Bundesländern einschließlich Berlin waren zum Stichtag durchschnittlich 54,9 Prozent der Kinder unter drei Jahren in einer Tagesbetreuung, in den westlichen Bundesländern dagegen 34,5 Prozent. Destatis weist zudem darauf hin, dass die Betreuungsquote ab dem Berichtsjahr 2025 erstmals auf der Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022 beruht; ein Vergleich mit den Vorjahren ist daher nur eingeschränkt möglich.
Deutlich rückläufig ist ein weiteres Betreuungsangebot: Die Zahl der Tagesmütter und -väter ging im fünften Jahr in Folge zurück, um 2.300 auf 37.400 Personen (minus 5,9 Prozent). Der Rückgang konzentriert sich fast ausschließlich auf die Tagesmütter; die Zahl der Tagesväter blieb nahezu unverändert. 146.000 Kinder (3,6 Prozent der betreuten Kinder) wurden zuletzt in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut.
Mehr Personal – aber wenig Vollzeitkräfte
Dass die Personalsituation in vielen Einrichtungen trotz wachsender Beschäftigtenzahlen als angespannt gilt, erklärt eine zweite Destatis-Erhebung. Demnach ist die Zahl der pädagogisch tätigen Personen in Kindertageseinrichtungen binnen zehn Jahren um 46 Prozent gestiegen: von gut 494.300 im Jahr 2014 auf rund 724.100 im Jahr 2024. Allerdings arbeiteten 2024 67 Prozent des pädagogischen Kita-Personals weniger als 38,5 Stunden pro Woche und damit nicht in Vollzeit (2014: 65 Prozent). Zum Vergleich: Nach Ergebnissen des Mikrozensus für 2023 arbeiteten 31 Prozent aller abhängig Erwerbstätigen in Deutschland nicht in Vollzeit.
Die hohe Teilzeitquote relativiert den Personalzuwachs erheblich: Rein rechnerisch steht mehr Personal zur Verfügung, die tatsächlich verfügbare Arbeitszeit wächst jedoch deutlich langsamer als die Zahl der Köpfe. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Betreuung – die Zahl der Kinder mit einer vertraglich vereinbarten Betreuungszeit von mehr als 35 Wochenstunden hat zwischen 2014 und 2024 um 30 Prozent zugenommen; knapp zwei Drittel dieser Kinder (64 Prozent) hatten zuletzt eine Betreuungszeit von mehr als 45 Stunden pro Woche.
Nachwuchs wächst, Bedarf bleibt hoch
Beim Nachwuchs gibt es positive Signale: Im Jahr 2023 schlossen rund 55.600 Menschen eine Ausbildung in einem der drei häufigsten Erziehungsberufe ab – Erzieherin oder Erzieher, Sozialassistentin oder -assistent sowie Kinderpflegerin oder -pfleger. Das war ein neuer Höchststand; 2013 waren es noch 44.100 Absolventinnen und Absolventen. Knapp die Hälfte (44 Prozent) aller Absolventen an Berufsfachschulen, Fachschulen und Fachakademien erwarb ihren Abschluss in einem dieser Erziehungsberufe.
Auch international wird Personal gewonnen: 2.778 Verfahren zur Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses als Erzieherin oder Erzieher gab es im Jahr 2023; 1.743 davon wurden positiv beschieden. Der Abschluss als Erzieherin oder Erzieher zählt damit zu den zehn Berufen mit den meisten Anerkennungsverfahren ausländischer Qualifikationen, berichtet Destatis.
Ein weiterer Trend: Der Anteil männlicher Fachkräfte steigt langsam, aber kontinuierlich. Am 1. März 2025 waren 67.400 Männer im pädagogischen, Leitungs- und Verwaltungsbereich in Kitas beschäftigt – 4,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Männeranteil liegt damit bei 8,5 Prozent.
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit aus dem Bericht „Arbeitsmarkt Kinderbetreuung und -erziehung“ zeigen die Gegenseite: Knapp 13.000 Erzieherinnen und Erzieher sowie rund 5.000 Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger suchten im Jahresdurchschnitt 2025 eine entsprechende Tätigkeit. Für Einrichtungen und Träger bedeutet die aktuelle Statistik damit zweierlei: Der demografische Druck auf die Platzzahl entspannt sich kurzfristig, der strukturelle Fachkräftebedarf in der frühkindlichen Bildung bleibt dagegen bestehen – vor allem, weil lange Betreuungszeiten und steigende Qualitätsanforderungen mehr Arbeitszeit pro Kind erfordern, als die reine Zahl der Beschäftigten vermuten lässt.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. 392 vom 31. Oktober 2025 – Zahl der unter Dreijährigen in Kindertagesbetreuung 2025 um 5,6 % gesunken
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung Nr. N003 vom 21. Januar 2025 – Kita-Betreuungszeiten und pädagogisches Personal
- Statistisches Bundesamt: Themenseite Kindertagesbetreuung in Deutschland
- Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt kompakt – Kinderbetreuung und -erziehung



